Rebellisches Treffen im Wendland
Vom 6.–10. August 2026 fand das 8. Rebellische Treffen in Meuchefitz im Wendland statt, organisiert vom bundesweiten Netz der Rebellion und dem Ya-Basta-Netz. Das zapatistisch inspirierte Motto lautete »El Común [das Gemeinschaftliche] – solidarisch durch den Sturm«. Ziele des Polit-Camps waren das Kennenlernen, der Austausch und die Vernetzung von Aktivist:innen von links unten angesichts der nahezu dystopischen Verwerfungen auf dem Planeten, welche die Zapatistas als den »Sturm« bezeichnen.
Luz Kerkeling, Gruppe B.A.S.T.A. Münster
In der Einladung hieß es: »Viele sind in unterschiedlichen Strukturen, Initiativen, Bewegungen oder Projekten organisiert. Und ja, wir sind viele. Aber meist arbeiten wir getrennt voneinander, wissen oft nicht mal, dass es die anderen gibt. Das wollen wir ändern!«
Inhaltlich wurde den gut 200 Teilnehmer:innen viel angeboten, darunter geplante Workshops, aber auch nicht wenige spontane AGs. Thematisch ging es zum Beispiel um El Común, Nicht-Eigentum und
Commons, Selbstverwaltung und Organisierung in Kurdistan, die Rebellion der Zapatistas in Chiapas, die Weltfrauenkonföderation als Antwort auf den internationalen Faschismus, Meshcore (verschlüsselte Chats ohne Internet und Stromnetz), Adbusting, Erste Hilfe – Szenario Fascho-Angriff, kollektives Wohnen, antipatriarchalen Widerstand im Alltag, die Kriegslogik durchbrechen: graswurzel-revolutionäre Stimmen zum Gaza-Krieg, solidarische Landwirtschaft oder um freie Schulen.
In benachbarten Ortschaften fanden während des Camps zudem drei kleine Arbeitsbrigaden statt. Detlef von der VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschist:innen) NRW war bei einer dabei: »Wir waren neun
Personen vom Camp und drei Personen aus dem Projekt Arche Höhbeck selbst, die dann die Arbeit durchgeführt haben, die sonst Wochen gebraucht hätte. Es wurde ein Schutzzaun angelegt, um Arten zu retten. Ob
nun Pflanzen, Insekten, Vögel oder andere. Dabei gab es genug Gelegenheiten für einen Austausch unter uns. Wir hatten viel Freude und Erfüllung durch diese Eindrücke! Gerne wieder!« Weitere Brigaden fanden in den Bereichen Baustellenvorbereitung und solidarische Landwirtschaft statt.
Dorit aus Münster gefiel das Treffen sehr gut, »vor allem, weil es wirklich viel Austausch zwischen jungen und älteren Menschen gab, weil es um Theorie und um Praxis ging und weil der Ort Meuchefitz genial für solche Treffen ist. Ich persönlich hätte mich gefreut, wenn sich noch mehr konkrete Projekte vorgestellt hätten, zum Beispiel Kollektivbetriebe. Aber ich kann ganz klar sagen, dass ich viel dazugelernt habe.«
Im Rahmen des Treffens wurde auch der 30. Jahrestag des Ya-Basta-Netzes gefeiert. Das Netz hatte sich 1996 nach dem legendären »Intergalaktischen Treffen gegen den Neoliberalismus und für die Menschheit«, zu dem die Zapatistische Befreiungsarmee EZLN eingeladen hatte, gegründet. Ulli aus Frankfurt, die vor der gelungenen Abschlussparty mit Live-Musik und viel Tanz eine bewegende Rede hielt, sagte, dass dieses Treffen das Leben vieler Menschen »wirklich verändert« habe, durch »die Stärke, die Offenheit, die Ernsthaftigkeit, die Solidarität, den Humor, die Hoffnung und die Überzeugungskraft der Zapatistas«. Da sei ein Netz entstanden, um Solidaritätsarbeit für die Zapatistas zu leisten, aber vor allem auch, um die eigenen, bisherigen Kämpfe weiterzuführen.
»Wir haben von den Zapatistas gelernt, zuzuhören, die anderen aussprechen zu lassen. Wir waren sehr unterschiedlich, aber wir haben uns zusammengerauft. Wir gehen langsam, weil wir weit gehen. Das sagen die Zapatistas – und das sagen wir auch. Mit dem hoffnungsvollen Blick nach vorn.«
Die über allem schwebende essenzielle Frage »Was machen wir am Tag nach dem Sturm?« beantworteten viele ähnlich wie Nicki aus Freiburg: »Wir müssen weiter als viele kleine rebellische Initiativen am Aufbau von emanzipatorischen Projekten und Netzwerken arbeiten. Und noch handlungsfähiger werden! Und zwar verstärkt und selbstbewusst – im Alltag!«
Mehr Infos: https://rebellisches.org
