Aktionswoche für die freie Einreise der zapatistischen Delegation

Mehr als 800 Organisationen fordern von der französischen Regierung die freie Einreise der zapatistischen Delegation

Mehr als 800 soziale Einrichtungen, Kollektive, Vereine sowie Einzelpersonen aus dem öffentlichen Leben, wie Künstler:innen und Intellektuelle, unterzeichneten einen Offenen Brief, der an die französische Regierung gerichtet ist, um die freie Einreise für eine zapatistische, indigene Delegation zu fordern.

Zum Offenen Brief: https://viajezapatista.eu/de/dringender-antrag-auf-das-einreiserecht-einer-delegation-von-indigenen-gemeinschaften-aus-mexiko-hauptsaechlich-zapatistas-in-das-franzoesische-hoheitsgebiet-2/

Denn in Mexiko stehen über 170 Angehörige der zapatistischen Autonomiebewegung (EZLN), benannt nach dem mexikanischen Revolutionsgeneral Emiliano Zapata, sowie des Mexikanischen Indigenen-Kongresses (CNI) und der Verteidigungsfront der Erde und des Wassers in den Bundesstaaten Tlaxcala, Puebla und Morelos (FPDTA) bereit, um zu einer Rundreise durch Europa aufzubrechen. Die „Gira Zapatista“, auch „Reise für das Leben“ genannt, ist eine Idee der Indigenen Mexikos, um in Europa und später auch in anderen Erdteilen auf die Naturzerstörung durch den Kapitalismus, die Unterdrückung von Frauen und nicht-binären Menschen im Patriarchat, auf Rassismus infolge des Kolonialismus und auf andere Formen der Diskriminierung hinzuweisen. Doch warum machen sich plötzlich Indigene des Globalen Südens auf den Weg nach Europa?

Die Route des Kolonialismus umgekehrt

Die Delegation wurde von Bewegungen aus rund 30 europäischen Ländern von „unten und links“, dem „Anderen Europa“, so ihre Selbstbeschreibung, eingeladen. Denn die Zapatistas haben einen Plan. Genau 500 Jahre nach dem Massaker an über 80.000 Aztek:innen durch die spanischen Konquistadoren vom 13. August 1521 werden sie in Madrid der spanischen Krone Bescheid geben, dass der Versuch ihrer Kolonisierung gescheitert ist und dass sie auch weiterhin gedenken, Widerstand gegen ihre Unterdrückung zu leisten.

Bereits am 20. Juni 2021 erreichte ein Schiff namens „La Montaña“ jenen Küstenstrich vor dem westspanischen Vigo, zu dem rund 500 Jahre zuvor eines der Schiffe Christopher Kolumbus‘, die „La Pinta“, zurückkehrte. Sechs Wochen lang segelten sieben Zapatistas über den Atlantik, um die Geschichte der Kolonisierung umzukehren.

„Despertad!“ – „Aufwachen!“ steht auf dem Banner der „La Montaña“


Zapatistas betreten das „Widerständige Land“

Mit Marijosé hat eine nicht-binäre Person („unoa otroa“, wie die Zapatistas sagen) als erste:r Zapatista europäisches Festland betreten – und zwar in Vigo genau dort, wo die spanischen Konquistadoren vor über 500 Jahren mit der „La Pinta“ aus Zentralamerika zurückkehrten. Als nun Marijosé am Dienstag, den 22. Juni gegen 18:00 Uhr das europäische Festland betrat, benannte er:sie den Kontinent in „SLUMIL K’AJXEMK’OP“ um. Auf Tzeltal, eine der indigenen Sprachen im Autonomiegebiet der Zapatistas im mexikanischen Bundesstaat Chiapas, bedeutet das „Widerständiges Land“.

Mit diesem historischen Akt begann die „Invasion“ der mexikanischen Indigenen. Ihre „Reise für das Leben“ ist daher vor allem eine Reise der De-Kolonisierung, die mit Patriarchat, Kapitalismus und Kolonialismus bricht, „um das zu finden, was die Menschen zu Gleichen macht“, so die Zapatistas in ihren Erklärungen. Sie beabsichtigen, das „Virus der Rebellion“ nach Europa und anschließend in die anderen Erdteile zu bringen, um der Naturzerstörung und Ausbeutung sowie der Diskriminierung und Entmündigung Einhalt zu gebieten. Den sie einladenden Organisationen und Bewegungen versprechen sie, gut zuzuhören und sie zu stärken.

Aktionswoche gestartet

Damit nach der „maritimen Delegation“ der Zapatistas auch die „aeronautische Delegation“ erfolgreich in Europa landen kann, muss zunächst die Einreise der 177 Indigenen nach Frankreich gewährleistet sein. Hierfür haben die Bewegungen in Europa am vergangenen Montag, den 20. Juli 2021 eine Aktionswoche gestartet, während der in vielen europäischen Städten der o.g. Offene Brief in französischen Konsulaten und Botschaften übergeben wurde – begleitet von Straßenaktionen und kreativen Social Media-Aktivitäten. Einen guten Überblick gewährt der europäische Kanal www.viajezapatista.eu sowie zahlreiche dezentrale Accounts der „Gira Zapatista“ bei Twitter, Instagram, Facebook, Telegram und YouTube.

Inzwischen sind 45 Orte mit Aktionen bekannt


In Deutschland gab es bisher (Stand: 23.07.21) öffentlich wahrnehmbare Aktionen in Bremen, Hamburg, Rostock, auf Rügen, im Wendland und der Altmark, in Berlin, Hannover, Münster, Weimar, Jena, Leipzig, Frankfurt und Nürnberg. Weitere Orte und Aktionen werden folgen, um die „Reise für das Leben“ den Menschen in „SLUMIL K’AJXEMK’OP“ zu ermöglichen. Informationen zur Aktionswoche und zur „Gira Zapatista“ gibt es u.a. auf: www.ya-basta-netz.org

Rückfragen, eine Kontaktaufnahme sowie Interviewwünsche nehmen wir gerne unter der Adresse presse@ya-basta-netz.org entgegen.

Mit freundlichen Grüßen

Volker Elan

AG Öffentlichkeitsarbeit des Koordinierungskreises der „Gira Zapatista“

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